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2 Fufs 10.6, in 3 Fufs 9.6, in 4 Fufs 8.4, in 5 Fufs 7.4. Vom September bis März nimmt die Wärme daher zu nach der Tiefe, vom April bis August ab.

Was die Veränderlichkeit der Lufttemperatur betrifft, darunter verstanden die Abweichungen der Temperatur eines bestimmten Jahres von dem aus einer langen Jahresreihe bestimmten mittleren Werthe, so ist diese sehr bedeutend. In Breslau war das Jahr 1834 4°.34 wärmer als 1829, in Berlin das Jahr 1761 4.9 wärmer als 1740. In Berlin war der Januar von 1823 14° kälter als der von 1796, in Breslau der December von 1829 13.9 kälter als der von 1806. Die Veränderlichkeit, sowohl die absolute als die mittlere, nimmt vom Winter nach dem Frühlinge schnell ab, ist im Sommer wieder etwas gröfser, aber im September, dem beständigsten Monate unserer Breiten, am unbedeutendsten.

Betrachten wir aber die Erhöhung über den mittleren Werth gesondert von der Erniedrigung unter denselben, so ist jene unbedeutender als diese. Im December 1829 kam in Breslau ein fünftägiges Mittel vor, welches 15.9 zu kalt war, die gröfste Erhebung desselben betrug 8.5 im Januar 1834. In Arys waren die gröfsesten Abweichungen

-13.1 und +7.6, in Stettin -11 und +6.7, in Berlin -13.4 und +7.3, in Gütersloh -12.1 und +8.3, in Trier -12.4 und +7.3. In den westlichen Provinzen sind diese Abweichungen geringer als in den östlichen, und steigern sich überall mit der Entfernung von der Küste.

Was die absoluten Extreme betrifft, so werde ich hier nur die Jahre vergleichen, während welcher auf den Stationen des Instituts Beobachtungen angestellt wurden, da diese an verglichenen Instrumenten erhalten worden sind, bei deren Aufstellung aufserdem Rückstrahlung so viel wie möglich vermieden wurde. In Berlin betrug die gröfste Kälte im Januar 1850 -20, die gröfste Wärme 27.9 im Juli 1852, der Unterschied also 47.9. Im Jahre 1850 fiel aber die Stelle, wo die Temperaturerniedrigung, die nach allen Seiten hin schnell abnahm, am bedeutendsten war, nach dem Grofsherzogthum Posen. In Posen wurden 29.2, in Bromberg -29.3 beobachtet. In Juni 1848 stieg in Posen das Thermometer auf 27.7, der gröfste Unterschied beträgt also dort 56.9. In Ratibor wurden im August 1849 28.4 abgelesen, dies gab mit den -26.7 im Januar 1848 einen Unterschied von 55.1. Als die weitesten Grenzen der Temperaturveränderungen überhaupt wird man also innerhalb der Grenzen des preussischen Staates etwa 28-29 Grade über oder unter dem Frostpunkte annehmen können. Auch hier sind die Extreme in den westlichen Provinzen geringer, denn in Kreuznach und Cöln fand ich als positive Extreme 27.0 und 27.0,

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in Cöln wegen der Localität wohl etwas zu hoch, die gröfste Kälte in Kreuznach 17.4 im Februar vorigen Jahres, in Cöln -16.0.

Am 3. Februar 1823, einem Jahre, dessen kalter Winter berühmt ist, schrieb man aus dem Wallis: Schon zum zweiten Male in diesem Winter bestätigen die Beobachtungen eine Meinung unserer Walliser, nämlich dafs in dieser Jahreszeit es in der Ebene oft kälter ist, als in der halben Höhe des Gebirges. Dies tritt auch sehr deutlich in unseren Beobachtungen hervor. Am 22. Januar 1850 war die Kälte in Heiligenstadt -22°, auf dem Brocken nur -10.5. In Schlegel bei Glatz, 1181 Fufs über dem Meere, stieg die Kälte am 22. Januar Morgens auf -27, dagegen hatten die Wünschelburger den bei ihnen sehr angenehmen Wintermorgen ohne besondere winterliche Vorsichtsmafsregeln zu einer Fahrt nach Glatz benutzt und konnten die Kälte in Glatz gar nicht begreifen.

Wir wenden uns zu den wässerigen Niederschlägen.

Die Elasticität der in der Luft enthaltenen Wasserdämpfe auf psychrometrischem Wege bestimmt ist im Januar am kleinsten, im Juli am gröfsesten. In Ostpreufsen steigt sie von 1.2 Linien bis 4.9, am Rheine von 2 auf 4.8, so dafs sie also in den wärmsten Monaten nahe überall dieselbe ist. Da nun die relative Feuchtigkeit im Sommer geringer ist, als im Winter, so ist klar, dafs die Verdunstung des Wassers aus einem doppelten Grunde vom Winter zum Sommer hin zunimmt, weil nämlich die Wärme sich steigert und zu gleicher Zeit mit dieser die Fähigkeit der Luft, Wasser aufzunehmen, oder ihre relative Trockenheit. Nun zeigen aber unsere Beobachtungen, dafs die Regenmenge vom Winter zum Sommer hin stätig zunimmt, man könnte daher der Vermuthung Raum geben, dafs das bei uns verdunstende Wasser auch die Quelle des Regens ist.

Aber wir verweisen auf unsere frühere Ausführung, S. 24 d. Zeitschrift: Da der Luftkreis in ununterbrochener Bewegung begriffen ist, so sieht man leicht ein, dafs das Wasser nicht da herabfällt, wo es verdunstet, dafs im Gegentheil die Verdunstung an einer bestimmten Stelle die Veranlassung zum Regen an einer anderen wird. Im Allgemeinen also ist das bei uns herabkommende Wasser fremden Verdunstungsquellen entlehnt, und man braucht nur einen Globus zu betrachten, um sich zu überzeugen, dafs gegen das grofse Wasserreservoir, welches wir das Meer nennen, alle übrigen Wasserbehälter verschwinden; es ist also hauptsächlich Meerwasser, welches durch die Destillation, für welche die Sonne die Wärme entwickelt, sich bei späterer Abkühlung in Regen verwandelt. Da aber mit Abnahme der Wärme die Fähigkeit der Luft, Wasser zu enthalten, abnimmt, so wird die günstigste Gelegenheit für den Regen geboten sein, wenn Luft, welche

Zeitschr. f. allg. Erdk. Neue Folge. Bd. I.

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über dem Meere der heifsen Gegend gestanden, über kälteren Boden strömt. Wir haben also nach dem Aequator und zwar wo er flüssig ist hinzublicken, wenn wir die Quelle suchen, aus welcher der Luftkreis seinen Wassergehalt schöpft. Da aber wegen der Drehung der Erde die Winde, welche von der heifsen Zone wehen, immer westlicher werden, je weiter sie fortschreiten, oder da mit anderen Worten ein Südwestwind ein Südwind ist, welcher weiter von Süden herkommt, als der Südwind selbst, so wird die Südwestseite unsere Wetterseite sein", die Regenmenge wird daher von den südwestlichen Gegenden des Staats nach den nordöstlichen abnehmen, wie es die Beobachtungen ergeben, da nämlich je weiter die Luft strömt, sie desto mehr den Wasserdampf verliert, den sie in wärmeren Gegenden aufnahm. Jedes von SO. nach NW. sich erstreckende Gebirge, und dies ist ja die Hauptrichtung der norddeutschen Ketten, verdichtet daher an seiner Südwestseite viel mehr Regen, als an der Nordostseite, selbst so unbedeutende, wie der Teutoburger Wald, denn in Paderborn und Gütersloh jenseits fielen in denselben Jahren 28 Zoll, wo in Salzuffeln diesseits nur 21.8 gemessen wurden, Ziegenrück am Südabhange des Thüringer Waldes hat 26, Erfurt nur 20. Die in Prag 14 Zoll betragende Regenmenge steigert sich am Südabhange des Riesengebirges allmählig bis 33, sinkt aber in Neisse schon auf 16 Zoll herab. Das Rheinthal, welches als eine Querspalte das rheinische Gebirge durchsetzt, zeigt daher in seinem ganzen Verlaufe eine sehr gleiche Menge von etwa 26 Zoll, aber in den Querthälern ist sie unbedeutender, so in Kreuznach nur 19. Der isolirt aufsteigende Harz verdichtet hingegen den Wasserdampf zu der gröfsten Menge, denn in Clausthal und auf dem Brocken erreicht diese 50 Zoll, aber dadurch ist auch der Vorrath erschöpft und daher sinkt an den mecklenburgischen Küsten, der Nähe der Ostsee ungeachtet, auf Poel bei Wismar diese Menge auf 16, in Wustrow sogar bis auf 13 Zoll herab, während sie in Berlin 21 Zoll beträgt. In Ostpreufsen ist sie erheblicher als in Westpreufsen, denn sie beträgt in Königsberg 28, in Conitz nur 14. Zugleich zeigt sich an der Küste der Ostsee eine Tendenz, das Maximum der Regen vom Sommer in den Herbst zu verlegen, da nämlich das Meer, wie wir früher gesehen, länger die Wärme zurückhält als das Land, so wird hier der Gegensatz der Temperaturen beider im Herbst eine Veranlassung zur Steigerung der dann eintretenden Niederschläge.

Die Vertheilung der Regenmenge in der jährlichen Periode bietet einige bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten dar, welche in allgemeineren Verhältnissen ihre Erledigung finden.

Die in der Gegend der Windstillen in der heifsen Zone aufsteigende Luft kann nicht in der Höhe bis zum Pol zurückfliessen, da der Zwischenraum zwischen den Meridianen sich fortwährend

verengert,

sie

mufs also früher herabkommen und wird da, wo sie den Boden berührt, ihren Wasserdampf am mächtigsten absetzen. Die Gegend der Windstillen rückt aber mit der Sonne herauf und herunter, sie hat ihre südlichste Lage in unserem Winter, ihre nördlichste in unserem Sommer. Dem analog wird sich natürlich auch die Stelle des Herabkommens verschieben. Im Winter kommen daher diese obern Ströme schon südlich von den Canaren und Azoren herunter, diese haben daher in den Wintermonaten ihre Regenzeit. So wie die Sonne höher nach Norden hinaufrückt, bewegt sich die Stelle des Aufsteigens mit ihr weiter nach Norden, das Herabkommen findet nun weiter nördlich an den Südküsten von Europa statt. Diesen heifsen feuchten Winden stellt sich die Mauer der Alpen entgegen. An ihren kalten mit Schnee bedeckten Scheiteln condensirt sich der Wasserdampf zu furchtbaren Niederschlägen, wäh rend die hohe Temperatur, welche sie aus den Tropen mitbringen, zu einer Schneeschmelze Veranlassung giebt, welche das durch den Regen schon erhöhte Niveau der Ströme zu einer Höhe hebt, wodurch Ueberschwemmungen erzeugt werden, von denen eben das südliche Frankreich ein so entsetzliches Beispiel gegeben. Aber dadurch erschöpft sich auch der Wassergehalt und wir haben daher im Frühjahr, wo besonders die Lombardei von den heftigsten Ueberschwemmungen heimgesucht wird, im nördlichen Deutschland eine ungewöhnliche Trokkenheit mit sehr hohem Barometerstande und dauernden Ostwinden. Der von Norden herbeiströmenden Luft ist der Weg nach Süden vollkommen durch jene herabkommenden Winde versperrt, daher staut sich die Luftmasse besonders im März zu ungewöhnlicher Höhe, während die abgesperrte Luft seitlich einen Ausweg sucht und daher als Ostwind so weit fliefst, bis sie in ihrem Vordringen nach Süden nicht weiter gehindert wird. Endlich dringt diese Luftmasse auch in Europa im Süden durch, der Ostwind verwandelt sich in Nord und das Barometer fällt ganz gegen die gewöhnliche Regel, weil eben dann ein Abflufs erfolgt. Im Juni endlich ist die Gegend der Windstillen so weit heraufgerückt, dafs die oberen Winde die Alpenkette ungehindert überströmen können, jetzt bekommen wir unsere Regenzeit, 7 Brüder und Siebenschläfer sind unsere Loostage; gerade wenn wir die Bäder besuchen wollen, bricht die Regenzeit herein. In dieser Beziehung sind wir daher schlecht gelegen. Aber die Verhältnisse des Frühjahrs kehren im Herbst wieder, der September ist daher unser Reisemonat, erreicht er eine besondere Schönheit, so erhält er den eben nicht poetischen Namen „alter Weiber Sommer".

Ich habe in einer neuerdings herausgegebenen Arbeit ausführlich gezeigt, dafs die barometrischen Maxima eben solche Phänomene des Stauens sind. Die Belagerung von Sebastopol lieferte so viele Nach

richten über die gleichzeitig im mittelländischen Meere entgegenwehenden südlichen Winde, dafs ein bisher vollkommen dunkles meteorologisches Phänomen auf eine sehr einfache Weise sich gleichsam von selbst erläuterte.

In die bisherigen Beobachtungen habe ich die electrischen Phänomene und die Verbreitung des Hagels nicht aufgenommen, da ich hierüber noch mehr Material zu sammeln hoffe, als bis jetzt vorliegt. Die Südweststürme des Winters mit niedrigem Barometer habe ich früher sehon auf ihre Geburtsstätte in Westindien zurückgeführt und in neuern Untersuchungen keine Widerlegung früher geltend gemachter Ansichten gefunden. Tromben sind so selten, dafs die grofsartige Verwüstung, welche im Jahre 1848 eine solche im Forste von Biesenthal bei Neustadt-Eberswalde anrichtete, das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Beispiel ist. Dafs zu diesen Formen viele Gewitter und Hagelwetter als stark geneigte Wirbelwinde, deren Rotationsachse zuletzt mehr horizontal wird, gehören, glaube ich als eine sehr wahrscheinliche Vermuthung aussprechen zu dürfen, ohne es beweisen zu können.

Ich habe Licht- und Schattenseiten des Klima's von Preufsen einfach darzulegen gesucht, die nach der geographischen Lage günstige Temperatur, den Mangel so heftiger Niederschläge, wie im südlichen Europa, die Compensation eines milden Herbstes für ein rauhes Frühjahr, einen nur nach dem Ende hin ungetrübten Sommer. Betrachten wir aber die letztverflossenen Jahre, so müssen wir sie als besonders ungünstig bezeichnen, weil die häufige Wiederholung eines unverhältnifsmässig kalten Frühjahrs nach einem milden Winter der Entwickelung der Vegetation am verderblichsten ist. Hierzu kommt noch die unglückliche Temperaturvertheilung im Jahre 1855. Im December 1854 und Januar 1855 hatten heftige Regen bei Südwinden das Niveau der Ströme erheblich erhöht, das Verdrängen dieses lange anhaltenden Südstromes durch den in der zweiten Hälfte des Januar ihn überwältigenden polaren hatte aufserdem eine bedeutende Schneemenge geliefert. Die im Februar wiederkehrende Kälte bedingte neue Eisdecken in einem tiefern Niveau, da der auf den Boden gefallene Schnee in der andauernden Frostperiode nicht schmelzen konnte, die Eisdecke erhielt dadurch eine ungewöhnliche Mächtigkeit. Unglücklicher Weise war der März bei niedrigem Barometerstande dauernd trübe. Die Sonne konnte nicht auf die Eisdecke wirken, welche daher so lange Widerstand leistete, bis sie endlich durch den Druck des Wassers gebrochen wurde, das aus dem verspäteten Schneeschmelzen sich dauernd vermehrt hatte. Die Beobachtungen in Oberschlesien zeigen zwischen dem 22. bis 26. März einen Ueberschufs von 4.7 über die normale Wärme, in Brom

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